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Handgepresstes Arganöl ist ohne Alternative

GTZ-Studie zur Nachhaltigkeit von Arganöl

Wenn ein neues Produkt aus einem Schwellenland in Deutschland auf Anhieb wie ein Blitz einschlägt, dann haben die deutschen Konsumenten zwar einen hohen Nutzen, die Hersteller im Ursprungsland zahlen jedoch häufig einen hohen Preis zulasten der sozialen und ökologischen Bedingungen. Nicht so beim handgepressten Arganöl aus Marokko. Das soziale, ökologische und wirtschaftliche Gefüge in der Arganeraie ist vorbildlich, wie eine erstmals in der Öffentlichkeit vorgestellte Studie der GTZ belegt. Doch das zum Nutzen aller funktionierende System droht unterlaufen zu werden.

Nürnberg, 15. Februar 2007 – Seit 1219 ist die handwerkliche Herstellung von Arganöl durch die Berberfrauen überliefert. Bis heute prägen die traditionellen Herstellungs- und Vermarktungsprozesse das soziale und wirtschaftliche Leben der Berberfamilien. Ein ausgewogenes System zwischen der einzig im Süden Marokkos vorkommenden Arganie (Eisenholzbaum), den im Schatten der Arganie wachsenden und lebenden Pflanzen und Tieren und den Berbern, die die Mandel aus der extrem harten Nuss der Arganie brechen und hieraus in mühevoller Handarbeit eines der wertvollsten Öle extrahieren. Doch die zunehmende Verbreitung von industriell gepresstem Arganöl bedroht die perfekt aufeinander abgestimmten Strukturen. Die Auswirkungen dieser Entwicklung und die eingeleitete Gegenbewegung der Frauenkooperativen sind Gegenstand einer in 2006 durchgeführten GTZ-Studie (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit).

Handpressung vs. industrielle Pressung

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Gegenüberstellung der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen hinter handgepresstem und industriell hergestelltem Arganöl und ihren Auswirkungen auf die Menschen in der Arganeraie, aber auch das Öl selbst. Die Agrar-Ingenieurin Dr. Elke Böhnert führte im Auftrag der GTZ diese Untersuchung vor Ort durch. Dr. Böhnert fasst die für sie wichtigste Erkenntnis zusammen: „Hier treffen zwei völlig unterschiedliche Ansätze aufeinander. Auf der einen Seite eine gewachsene, in sich homogene und aufeinander abgestimmte Struktur mit einer großen Zahl von Menschen aus rein dörflichen Strukturen, die aus einem traditionellen Bewusstsein heraus handgepresstes Arganöl herstellen und kultivieren. Sie stellen nicht nur eines der hochwertigsten Öle her, sondern bauen gleichzeitig ein soziales und wirtschaftliches Gleichgewicht in der ganzen Region auf. Auf der anderen Seite eine vergleichsweise kleine Gruppe privater Unternehmer, die den Herstellungsprozess des Öls in die Fabriken der großen Städte verlagern. Die mit der Arganölgewinnung verwurzelten Dorfbewohner treten nur noch als reine Früchtelieferanten auf. Deren wirtschaftliche Unabhängigkeit löst sich somit auf; Armut breitet sich aus. Die industrielle Erzeugung treibt immer stärker einen Keil in ein traditionelles, funktionierendes Gefüge.“

Konkret bedeutet das: Bei der industriellen Erzeugung werden gekaufte Früchte und Mandeln mit Maschinen in privaten Fabriken in Großstädten maschinell extrahiert. Die Rolle der Dorfbewohner ist auf das Sammeln und Liefern der Früchte beschränkt. Bei der traditionellen Handpressung dagegen werden die von den Frauenkooperativen geernteten Früchte und Mandeln ausschließlich von Hand in einem aufwendigen, bis zu 24 Stunden dauernden Prozess gepresst. Herkunft und Qualität der Arganfrüchte sind hier immer bekannt und sichergestellt. Bei zugekaufter Ware gibt es keinen Nachweis über Sammelgebiete. Es ist somit nicht auszuschließen, dass z.B. bereits oxidierte Mandeln mit verarbeitet werden, was oftmals einen sehr strengen Geruch und unangenehmen Geschmack des Öls mit sich bringen kann.

Die Rolle der GTZ

Die GTZ begleitet seit 1995 die Herstellung von Arganöl in Marokko. Sie leitete u.a. einen Prozess ein, an dessen Ende die UNESCO die Arganeraie 1998 zum Biosphärenreservat erklärte. Ziel ist die Steigerung der Wertschöpfung der vorhandenen Potenziale der Region im Einklang mit den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Die Herstellung von handgepresstem Arganöl hat sich aus Sicht der GTZ als besonders geeignet erwiesen, um die Einkommen der Familien zu steigern und gleichzeitig zum Erhalt der seltenen Arganbaumbestände beizutragen. Arganöl ist bei 86% der ländlichen Bevölkerung in der Arganeraie regelmäßiger Bestandteil des täglichen Lebens, wie die GTZ festgestellt hat.

Die Gewinnung des handgepressten Arganöls ist seit Alters her Frauenarbeit, die im sozialen Gefüge der Familien umgesetzt wird. Mit Hilfe der GTZ entstanden hierzu Mitte der 90er Jahre die ersten Frauenkooperativen, die sich schließlich 1999 zum Dachverband „Union der Frauenkooperativen der Arganeraie“ zusammenschlossen („U.C.F.A.“, Union des Coopératives des Femmes de Arganeraie). Hauptziel der U.C.F.A. ist die Vermarktung von hochwertigem biologischem Arganöl aus dem Biosphärenreservat zur Erzielung angemessener Erlöse für die Mitglieder der Kooperativen. SiebenJahre nach der Gründung sind 22 Kooperativen mit über 1000 Frauen unter dem Dach der U.C.F.A. zusammengeschlossen. Hinter diesen Frauen stehen rund 6000 Familienangehörige, die auch von der Arganölgewinnung leben.

Die GTZ leistete nicht nur wirtschaftliche Aufbauhilfe, sondern führte auch Organisationsstrukturen in die Kooperativen ein, verhalf zur Bio-Zertifizierung und ermöglichte technische Hilfe zur Errichtung von Filter- und Abfüllanlagen. Aus- und Fortbildungsprogramme für die Frauen sowie eine enge Abstimmung mit der marokkanischen Regierung und dem marokkanischen Königshaus unterstreichen die Tiefe der Kooperation der GTZ mit der U.C.F.A.

Die Ergebnisse dieses Engagements:

Die Rolle der Argand’Or GmbH

Die Argand’Or GmbH vertritt weltweit die Interessen der U.C.F.A. und bereitet über eine wachsende Nachfrage nach handgepresstem Arganöl den wirtschaftlichen Boden der U.C.F.A.. Über die wirtschaftlichen Interessen hinaus engagiert sich Argand’Or mit konkreten Projekten vor Ort.

Mohamed El Karz, Gründer von Argand’Or: „Gemeinsam mit Spezialisten wie Dr. Elke Boehnert und mit Unterstützung der „Foundation Mohamed V“ arbeitet Argand’Or am Erhalt der sozialen Strukturen und unterstützt den Ausbau der Infrastruktur, z.B. beim Brunnenbau, der Trinkwasseraufbereitung, bei der Stromversorgung mit erneuerbaren Energien oder der Abwasserreinigung und dies in enger Zusammenarbeit mit EU-Förderprojekten vor Ort.“

Mohamed El Karz betont aber auch: „Wir sind dankbar für die wertvolle Arbeit der GTZ und allen anderen Akteuren vor Ort. Doch letztlich haben es, wie so oft, vor allem die Verbraucher in der Hand. Es liegt in ihrer Entscheidung, ob sie zu einem ausgewogenen Kreislauf rund um das wertvolle handgepresste Arganöl beitragen wollen – zu ihrem eigenen Nutzen aber auch dem der Menschen in der Arganeraie.“


Über Argand’Or:

Die Argand’Or GmbH ist ein marokkanisch-deutsches Unternehmen mit Hauptsitz in Friedrichsdorf (Hessen). Sie vertritt weltweit die Interessen der U.C.F.A. (Union des Coopératives des Femmes de l’Arganeraie), einem Zusammenschluss von 22 Kooperativen und den darin rund 1.000 organisierten Frauen in Marokko. Sie ermöglichen die Bewirtschaftung der nur im Süden des nordafrikanischen Staates wachsenden Arganbäume. Aus den Mandeln der Arganie gewinnen die Frauen in traditioneller Handpressung das einzigartige Arganöl – ein kostbares Lebensmittel und wertvolles medizinisches Pflegemittel zugleich. Ziel der Argand’Or GmbH ist, die Natürlichkeit dieses Bio-Öles zu bewahren, es auch Menschen außerhalb Marokkos näher zu bringen und durch die Wahrung der U.C.F.A.-Interessen somit auch für den Lebensunterhalt von rund 6.000 Menschen in Marokko zu sorgen. Nach der Gründung im Jahr 2005 wurde das Arganöl von Argand’Or von der Weltleitmesse BioFach aufgrund der Qualität des Produktes sowie des sozialen und nachhaltigen Unternehmenskonzeptes auf Anhieb zum „Produkt des Jahres 2005: Empfehlung Bio-Lebensmittel“ gewählt. Argand’Or- Öle werden als Gourmet-Speiseöl sowie als Hautöl verkauft. Darüber hinaus bietet Argand’Or eine kleine Naturkosmetiklinie und für Veganer geeignete Kapseln zur Nahrungsergänzung an.

Weitere Informationen oder Bildmaterial:

Rudolf Bresink, Geschäftsführender Gesellschafter Argand’Or GmbH,
Tel. 06172/49997-10, bresink@argandor.com, www.argandor.com

Volker Laengenfelder, Unternehmens- und Umweltkommunikation,
Tel. 069/750 688-13, mail@laengenfelder.de

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